Tagebuch

 

Ja ich weiß, Asche auf mein Haupt. Es hat etwas länger gedauert als gedacht, aber endlich ist es soweit. Alle Island Eindrücke sind nun online. Wer weiter lesen möchte, ffährt nun automatisch mit einem kleinen

 

Vorwort
fort. Denn als hätte ich neben den zahlreichen Reisedetails nicht schon genug zu berichten, wenn der Flug nach Kevlavik nicht komplett ohne Gepäck stattgefunden hätte. Der Airline sei Dank, wurde ein Grundstein gelegt, der dem Ziel einer Abenteuerreise näher kam als über Monate hinweg geplant war. Neben der nun zwangsweise frisch angelernten Genügsamkeit hatten wir wenigstens das Wertvollste bei uns: Kamera, Papiere, Geld. Reicht doch oder? Mehr war da nämlich absolut nicht. Doch wie sollte es weiter gehen? Ohne:

 

  1. Festes & wasserdichtes Schuhwerk
  2. Regen- & winddichte Outdoor Jacke
  3. Ganz normale Wechselkleidung
  4. Drogerieartikel für hygienische Grundbedingungen
  5. Ladegerät für Smartphone { Geplant für: Offline Kartenmaterial des Straßennetzes und der Wanderwege, Kartenmarkierungen, GPS Koordinaten, Sonnenstandvorhersage, Wetterbericht, tagesaktuelle Online-Überprüfung zum Zustand des Straßennetzes, Kompass, Adressen, Telefonnummern }
  6. Ladegerät für die Kameras
  7. Das Stativ
  8. Es fehlte das Stativ
  9. Oh mein Gott es fehlt jetzt wirklich das Stativ

 

Mit den meisten Überraschungen hätten wir uns irgendwie arrangieren können, aber ohne Stativ geriet die Anwendung von Grau- sowie Verlaufsfiltern, Mehrfachbelichtungen, Langzeitbelichtungen zur lästigen Geduldsprobe. In einem durchaus windigen Land nagte somit jeder erneute Aufnahmeversuch an der Zeit und viel schlimmer noch, an den äußerst wertvollen Akkus. Von daher ärgere ich mich, nicht alle Ideen zeigen zu können, und es tut mir leid wenn die ein oder anderen Aufnahmen Schönheitsfehler aufweisen und nicht 100%ig sitzen.

 

Vielleicht wird auch die etwas harte Entwicklung meiner Aufnahmen nicht jedem gefallen, aber es war schon vor Reisebeginn mein Ziel, dadurch den vulkanischen Ursprung dieser zerklüfteten und faszinierenden Naturlandschaft stärker zur Geltung zu bringen. Manche weniger beeindruckenden Aufnahmen wollte ich auch nicht unterschlagen, solange sie interessante Dinge zeigen und die Dokumentation ergänzen.

 

Tag 1:
Der erste Tag begann noch mitten in der Nacht . Nach der Protokollierung und Datenerfassung des verloren gegangenen Reisegepäcks ging es dann endlich nach 5 Uhr morgens gefühlter deutscher Zeit ins Bett. Wenigstens die Zeitzone war einem wohlgesonnen und belohnte mit 2 Bonusstunden Erholung.

 

Tag 2:
Nach der ersten Übernachtung galt es zu entscheiden: weitermachen oder nicht – so ganz ohne Gepäck? In Anbetracht der Tatsache, dass die Abenteuerlust nach ein wenig Schlaf gesiegt hatte, ging es gleich morgens zum Mietwagenschalter. Alles reibungslos. Das Auto hatte 4 Räder, ein Lenkrad und funktionstüchtige Bremsen. Alles wie bestellt. Mit nur 3000 km saßen wir sogar fast in einem Neuwagen. Super!!!

 

Unter Sturm und Platzregen ging es in Sommerkleidung vom Serviceparkplatz aus endlich auf die freie Straße. Die Heizung gab alles und versprach baldige Trockenheit der völlig durchnässten Kleidung. Bevor das Auto richtig Fahrt erreichte – Rrrrrring. Das Handy klingelte… schnell rechts ranfahren. Es geht sicher um die Koffer. Wichtig! Die freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung bedauerte, uns mitteilen zu müssen, dass die bereits angesteuerte Walbeobachtung aufgrund des gerade noch gespürten gefährlichen Wetters komplett ausfällt. Ich musste über meinen eigenen naiven Optimismus ein wenig lachen . Dumme Sache, allerdings war schnell ein Folgetermin am letzten Reisetag gefunden. Sehr unkompliziert und deutlich gesprächsbereiter als unsere Airline. Halb so wild also! Durch die { Glück im Unglück } gewonnen Stunden blieb Reykjavík dennoch das nächst logische Ziel. Es galt die ersten grundlegenden Ausrüstungsgegenstände schnellstmöglichst neu anzuschaffen. Selbst der großzügig ausgelegte Notfallpuffer musste nun mit der Kreditkarte erweitert werden. Das ist gar nicht vorwurfsvoll gemeint, denn eine Shoppingtour diesen Ausmaßes war schließlich nie geplant gewesen. Dafür konnten weder Land noch Leute verantwortlich gemacht werden. Nach dem ersten Vormittag stellte sich schnell ein Teilerfolg in Downtown von Reykjavík und einer größeren Shoppingmall ein. Da wir schon einmal da waren, statteten wir der Hallgrímskirkja { Hallgrimskirche } einen Besuch ab. Der beeindruckende Anblick prägt das gesamt Stadtbild Reykjavíks. Allerdings muss der Architekt Atheist gewesen sein, denn er huldigte mit seinem Entwurf sicher eher der Betonindustrie als Gott persönlich. Inzwischen schien es aufgrund des knapp bemessenen Schlafes sinnvoll, die lange Fahrt nach Akureyri schon früher als geplant anzutreten. Schließlich waren für die 400 km Wegstrecke bestenfalls 5 Stunden angesetzt. Mit guter Laune und der freudigen Erwartung, endlich die unbelebten Gebiete Islands durchfahren zu dürfen, fühlte sich das nagelneue Ladegerät am Smartphone einfach wahnsinnig gut an. Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so sehr über einen simplen Stromstecker gefreut. Nun waren die anfänglichen Sorgen, in den Bergen verloren zu gehen, durch das erstmalig aktivierte GPS erfreulicherweise überflüssig.

 

Weitere Bedenken über den Zustand des Straßennetzes wurden ebenfalls schnell zerstreut. Ein paar Tipps für Autoreisende kann ich dennoch geben:

 

  1. Geschwindigkeitslimits
    Sind in Island immer vernünftig und sinnvoll ausgeschildert. Wenn Ihr innerorts durch eine 30er Zone fahrt, könnt Ihr sicher sein, dass diverse Schweller eher an hiesigen Geländewagen ausgelegt sind. Haltet Euch in und um Reykjavík unbedingt an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Ich habe dort gefühlt mehr Blitzer gezählt als in ganz NRW zusammen. Selbst innerhalb der langen Tunnel Richtung Norden, waren gleich mehrere Kontrollstationen installiert. Außerorts bestimmt die 80 km/h oder 90 km/h Marke das Limit. Viel mehr ist auch wirklich nicht möglich und unvernünftig. Wer sein Fahrzeug zum Beispiel in das abgelegene grobe Felsgestein setzt, braucht sich schließlich auch keine Sorgen mehr um einen Reifenwechsel machen .
  2. Hindernisse
    Trotz guter Umzäunung schaffen es Schafe und Lämmer regelmäßig gefährlich nahe an die Straße heran. Seit also besser stets bremsbereit.
  3. Sturm
    Starke Winde in Küstennähe erfordern ständiges und konzentriertes Gegenlenken. Besonders wenn schwere Transporter auf der Gegenspur die Windschneise kurz unterbrechen, bekommen sogar Kleinwagen einen starken Schubser von der Seite – besser runter vom Gas.
  4. Überholmanöver
    An kurvigen Streckenverläufen besser ganz bleiben lassen. Trotz geringer Vegetation nehmen einem kleine Höhenunterschiede auf der Strasse die Sicht auf dahinter liegende Kurven und Gefälle.
  5. Gefälle
    Bei bis zu 12% Gefälle ist man ganz schnell zu schnell unterwegs. Um Serpentinen sicher passieren zu können, sollte man konzentriert und bremsbereit sein. Vorsicht also!

 

Nehmt meine Hinweise einfach nur als gut gemeinte Ratschläge an. Ich möchte nicht den Moralapostel spielen, aber Hilfe ist verständlicherweise nicht immer um die Ecke. Wer sich aber zusätzlich absichern möchte, dem empfehle ich die 112 Iceland App. Aus ihr ist nicht nur ein direkter Notruf möglich, sondern auch die Übermittlung Eurer genauen GPS Position an die Leitstelle. Tolle Idee!!!

 

Die Autofahrt nach Akureyri gestaltete sich problemlos. Das Wetter hatte sich landestypisch wieder längst verändert und mangels Sonnenuntergang hatten wir die nächsten Tage keine Dunkelheit zu befürchten. Ab und an nutzten wir die Möglichkeit, an den zahlreichen Parkbuchten am Straßenrand eine kleine Pause einzulegen. Ob nur für Fotoaufnahmen oder kurzes Vertreten der Beine. Die klare Luft lässt sich als Stadtmensch nicht so schnell vergessen. Sie half einem bei jedem Atemzug, die Müdigkeit der unerwartet kurzen Nacht wieder zu vertreiben. Besonders die zahlreichen kleinen Wasserfälle, entlang der Bergketten sowie die herabgestürzten Felsbrocken nahe der Straße, hinterließen während der ersten längeren Autofahrt einen bleibenden Ersteindruck! Langsam aber sicher schwanden über Stunden die Kilometer dahin, sodass uns nach dem Erreichen der zweiten Übernachtungsstätte eine Dusche und ein Bett wie unbezahlbarer Luxus vorkamen.

 

Tag 3:
Am nächsten Morgen mussten wir die letzte Gelegenheit nutzen, festes Schuhwerk zu finden. Zum Glück half man uns in einem lokalen Outdoor-Fachgeschäft sehr freundlich weiter. Jetzt konnte es endlich weiter gehen. Kurz nach dem Verlassen der Stadtgrenze lohnt es sich, gleich auf der gegenüberliegenden Uferseite, die Panoramaaussicht auf Akureyri zu genießen. Der anstehende Goðafoss Wasserfall bietet { das ist auch gut so } keine befestigten Wege oder Begrenzungen an. Jeder Schaulustige sollte selber abschätzen, wie nah er sich an das Geschehen heranwagen möchte. Mit dem guten Gefühl, endlich dickes Profil unter den Füßen zu spüren, konnten wir uns gegen Mittag das erste eigene Bild vom tosenden Naturschauspiel machen. Die Strömung des Skjálfandafljót stürzt über eine Breite von etwa 30 m fast 12 m in die Tiefe. Wenn es die Zeit zulässt, lassen sich durch einen Übergang sehr leicht beide Uferseiten beobachten. Die weitere Reise führte non-stop zum See Mývatn. Die äußerst facettenreichen Felsformationen und der aktive Vulkanismus sind entscheidende Merkmale dieser herausragenden Naturlandschaft. Wer sich eine Pause nach den vielseitigen Eindrücken gönnen möchte, dem empfehle ich das familiengeführte Vogafjos Café. Mitten an eine moderne und sehr gepflegte Melkanlage gelehnt, entfaltet sich durch den holzvertäfelten Wintergarten eine geschmackvoll eingerichtete Atmosphäre. Bei der liebevollen Aufmachung der landestypischen Speisen mochte man fast gar nicht anfangen zu Essen. Aber diese Hemmung hielt nicht lange an .

 

Nach der frischen Stärkung lag Húsavík nun in greifbarer Nähe. Gegen frühen Abend erreichten wir wenige Meter vor Ortseingang eine traumhaft schöne Ferienwohnanlage. Die Wege dort erkundeten wir zu Fuß und genossen die malerische Aussicht auf die gegenüberliegende Bergkette. Nach Einsetzen der leichten Dämmerung machten wir uns auf den Weg zum ortsansässigen Hotel. Das Licht des beginnenden Sonnenuntergangs verbreitete im Fischerhafen eine ruhige und gemütliche Stimmung. Freudigerweise hatte das Lokal direkt am Pier noch geöffnet und bereicherte den ausklingenden Abend mit einem leckeren Abendessen und ortstypischen Bier.

 

Tag 4:
Der folgende Tag sollte uns noch ganz besondern in Erinnerung bleiben. Noch konnten wir nicht ahnen, dass er etwas… länger werden würde. Die Fahrt führte entlang der Küste, Richtung Asbyrgi Schlucht. Auf halber Strecke lohnt es sich, eine kurze Pause einzulegen um einen Blick auf die Öxarfjörður-Bucht zu werfen. Zahlreiche Möwen haben hier ihren Nistplatz und können von diesem Aussichtspunkt aus in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet werden. Die anschließende Ankunft in den beginnenden Schluchtbereich stellte uns vor das Rätsel, wie solch eine einmalige Kulisse entstanden sein konnte. Kein Wunder, dass in der isländischen Mythologie von dem Hufabruck Odin’s Pferdes die Rede ist. Die Straße führt bis zu dem hinteren malerischen Teich mitsamt seinem Aussichtspunkt. Sollte man gut zu Fuß sein, kann man von der Panoramaaussicht der zentralen Landspitze nicht genug bekommen. Aber leider müssen nach einer Stunde Entspannung auch solche Momente ein Ende finden, denn der Abstieg und die weitere Autofahrt beanspruchte noch viel Zeit vom restlichen Tag. Schließlich führte der weitere Streckenverlauf zum Reiseziel der höchsten Erwartung und Vorfreude. Der Dettifoss, Europas größter Wasserfall ist ein Naturschauspiel, welches man nicht mal eben vor der Haustür findet. Aus einem glücklichen Zufall heraus, unterbrachen wir die Weiterfahrt Richtung Süden. Ein am Wegesrand gelegener Kiosk ermöglichte uns, die Vorräte für unterwegs wieder aufzufüllen und eine warme Mahlzeit zu uns zu nehmen. Nur durch eine überraschende Fügung kamen wir am Nachbartisch mit einem deutschen Landsmann ins Gespräch. So erfuhren wir, dass die Zufahrtsstraße östlich des Dettifoss noch mindestens 2 Wochen durch meterhohes Gletschereis unpassierbar war. Nun gab es keine Alternative, als die jüngst zurückgelegte Route über 140 km komplett über Húsavík zum Mývatn See zurückzukehren, um die einzig verbleibende Straße, westlich des Jökulsá á Fjöllum, zu erreichen. Lediglich die „frühzeitige“ Warnung verhinderte einen termintechnischen Totalausfall. Das angestrebte Highlight wollten wir schließlich um keinen Preis kampflos aufgeben. Auf dem Weg entlang der neuen Weggabelung machten wir einen kurzen Zwischenstopp am Hochtemperaturgebiet Hverarönd. Der zum Krafla Vulkansystem gehörende Berg Námafjall ist von den rot-bräunlichen Schwefelausdünstungen sehr geprägt. Die Solfataren und Fumarolen lassen diesen Teil der Landschaft stark beißend nach Schwefel riechen. Nichts für empfindliche Nasen. Beeindruckend sind auch die brodelnd heißen Schlammtümpel. Ein gesunder Abstand sollte hier unbedingt eingehalten werden. Die geothermische Energie der in nur 3 km Tiefe gelegenen Magmakammer wird ganz islandtypisch vom Bjarnaflag Kraftwerk genutzt. Wir waren so froh, selbstständig unterwegs zu sein. Denn so wurde ein simples Vertreten der Beine wieder ganz spontan zum Highlight. Jede durchorganisierte Busfahrt hätte uns während der Fahrt todunglücklich gemacht.

 

Der tägliche Wechsel zwischen mehr oder weniger Tagesaktivitäten war auf jeden Fall bewusst geplant. Aber wie gesagt: ausgerechnet heute war die Zeit durch die ungeplante Verzögerung mehr als knapp. In der vierten Nacht wartete weitere 350km entfernt Höfn auf uns. Da mussten wir jetzt durch. Nach weiteren 20 Minuten Fahrtzeit trafen wir aber schließlich am sehnlichst erwünschten Ziel ein. Von einem von Gletschereis umgebenen Parkplatz aus ging es nun zu Fuß bis an die Quelle des hörbar rauschenden Wassers. Über Stock und Stein sowie zentimeterdicke Eisschichten ging es zunächst zum 1 km oberhalb entfernten „Vorprogramm“ – dem Selfoss Wasserfall. Das Wasser der herabstürzenden Fluten fällt hier 10 m in die Tiefe, bevor es weiter flussabwärts den Dettifoss speist. Auch wenn wir das Naturschauspiel immer noch lieber von der Ostseite aus besucht hätten, waren wir heilfroh, diesen Anblick einmal mit eigenen Augen zu sehen. Die Wasserführung von über 190 m³/s ließ einem die Gischt am ganzen Körper spüren. Wahnsinn! Man mochte sich gar nicht mehr zurück Richtung Auto bewegen, musste es aber schließlich doch irgendwann. Die Dämmerung { welche im Juni eigentlich keine war } setzte schon ein wenig ein. Die Autofahrt, die manch einer morgens angetreten hätte, lag uns nun am frühen Abend bevor. Aber ehrlich… das war uns völlig egal. Wir hätten beide diese Insel niemals ohne das heutige Erlebnis verlassen können.

 

Zum Glück gab es auch auf Island beflügelnde Getränkedosen in blauer Farbe. Das Zeug wirkt ja echt immer wahre Wunder. Nun was gibt es noch von der Autofahrt zu berichten: Ich glaube es waren die schrecklich-schönsten Stunden, die ich jemals in meinem Leben an einem Steuer verbracht habe. Die Erschöpfung war ganz ehrlich nicht ganz ohne gewesen, aber die Serpentinen die uns auf einer Schotterpiste hinab zu den Ostfjorden gebracht haben, lassen sich mit Worten leider nicht beschreiben. Gerne hätte ich das während der Fahrt fotografisch festgehalten, jedoch hatten wir keine Lust, mit dem Auto mehrere hundert Meter tief ins Tal zu stürzen, um dann weitere 2000 Jahre später gefunden und ausgegraben zu werden . Mit staunendem Gesicht und Fuß fest auf der Bremse ging es nun darum, die engen Straßenwindungen zu bewältigen. Je nach Passage kamen wir kaum schneller als mit Schrittgeschwindigkeit vorwärts. Dabei vergaßen wir, dass wir bereits seit über 2 Stunden weder einen Menschen noch ein entgegenkommendes Fahrzeug gesehen haben. Ein bisschen gruselig war das ja schon. Die aufregende Schotterpiste brachte uns beinahe nahtlos zurück auf die asphaltierte Ringstraße. Nun folgten die traumhaft schönen Buchten der Ostfjorde. Es war wohlgemerkt bereits kurz vor Mitternacht, dennoch ließen sich sämtliche Fotos komplett freihändig durchführen. Ach ja! Welche Wahl hatten wir schon . Die friedliche Küstenlandschaft mit ihren wunderschönen Bergketten und der von Farben übersättigte Himmel ließ die letzten 1,5 Stunden Fahrt fast wie im Flug vergehen. Etwas nördlich von Höfn ließ uns das Hotel die Nacht gegen 2 Uhr morgens endlich beenden und schenkte uns bis zum nächsten Morgen den tiefsten Schlaf seit langem.

 

Tag 5:
Den neuen Tag nutzten wir zunächst um in der Kleinstadt Höfn neue Wäsche und Lebensmittel für unterwegs zu beschaffen. Ein lokaler Supermarkt bot zum Glück genügend Auswahl, um uns für die nächste Zeit einzudecken. Die Weiterfahrt führte direkt zum See Jökulsárlón. Innerhalb dieser Lagune ist es möglich, mit einem wendigen Schlauchboot zwischen den bis zu 15 m hohen Eisbergen ganz nah an die Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull zu fahren. Bei bis zu 248 m Tiefe und einem nahezu sicheren Kälteschock nach der 1. Minute hielt ich mich das erste mal selber sicherer fest als meine Kamera. Aber ich war noch nie der strandbesessene Karibikfan gewesen. Schön, dass das sonnenklare Wetter diese Landschaft in sommerlich gleißendes Licht getaucht hat. Ganze 45 Minuten dauerte dieser Ausflug in die lebensfeindliche, aber dennoch überwältigende Eiskulisse. Vor der Weiterfahrt genossen wir noch eine gewisse Zeit lang die Aussicht vom Uferrand aus und beobachteten die vorbeitreibenden Eisberge Richtung offenes Meer. Übrigens verhindert nur das zufließende Salzwasser das völlige Zufrieren des Sees.

 

Keine weitere Stunde Fahrtzeit lag auch schon das letzte Ziel des heutigen Tages. Trotz des bisher gelungenem Mix aus Spontanität und Planung ist uns bei Vorbereitung der nicht unerhebliche steile Geländeweg von über 2 km dann doch irgendwie untergegangen. Naja… die Satellitenbilder waren auch nicht die hochauflösendsten gewesen. Während des Aufstiegs konnten wir schon jenes Wasser beobachten, welches noch vor wenigen Momenten die Felskante des Svartifoss Wasserfalls heruntergestürzt war. Das Besondere ist, dass dieser von Basaltsäulen wie Orgelpfeifen eingerahmt wird. Die unwirkliche Kulisse macht den Eindruck, als sei sie in jahrelanger Kleinarbeit von Menschenhand erschaffen worden. Dieser Anblick hat nach dem schweißtreibendem Aufstieg wieder alles wettgemacht. Eine zusätzliche Erfrischung im Sprühnebel tat während der erholsamen Ruhe besonders gut! Die letzte Fahrt an diesem Tag verlief nach Plan und ließ uns nach nichtmal einer Stunde im unaussprechlichen Kirkjubaerklaustur ankommen. Einen Bärenhunger hatten wir mitgebracht. Leider hatte aber gegen kurz nach 21 Uhr der ortsansässige Kiosk schon geschlossen und im geöffneten Restaurant in nächster Nähe hatte die Küche ebenfalls Feierabend. An sich auch verständlich. Längere Gastronomiezeiten lohnen sich in einem unter 200 Seelen Dorf auch nicht wirklich. Zum Glück war man aber in unserem wenige Meter entfernten Hotel so nett gewesen und hatte trotz Aufräumarbeiten im Speisesaal tatsächlich noch einmal für uns den Ofen angemacht. Super!!!

 

Tag 6:
Bei der weiteren Durchfahrt durch Vík beeindruckte der Ort durch seinen bekannten schwarzen Sandstrand. Einen Spaziergang mit begleitendem Meeresrauschen sollte man sich nicht nehmen lassen. Auch der benachbarte Steinstrand von Reynisdrangar ist eine Investition von einer Stunde oder mehr wert. Die Felsnadeln nahe des Ufers bieten aufgrund ihres Aussehens genug Stoff für Legenden. Demnach sollen sie Trolle darstellen, die beim Versuch ein Boot an Land zu ziehen, beim morgendlichen Sonnenaufgang zu Stein erstarrt sein. Da es bereits Mittag war, heizte die Sonne die kleinen rund geformten Steine am Strand angenehm auf. Die behagliche Wärme und massageähnliche Wirkung im Rücken machte schnell schläfrig. Das Geräusch der starken Brandung und die Aussicht auf ebenfalls von Basalt geprägte Küstenlandschaft taten ihrerseits alles Notwendige dazu, um für ein paar Minuten… einzunicken. Weiter ging es Richtung Skógafoss. Eine Wegbeschreibung ist für ihn genauso überflüssig wie ein Fernglas. Er ist nahezu direkt am Straßenrand gelegen. Über eine Breite von 25 m und 60 m Tiefe bietet sich ein Schauspiel, an das man sich sehr nah heranwagen kann. Ein lohnenswerter Trekkingpfad bietet sogar einen Aufstieg bis ganz nach oben.

 

Der aufmerksame Leser wird bereits bemerkt haben, dass wir die Insel gegen den Uhrzeigersinn erkundet haben. Aus diesem Grund könnte es während der Fahrt leicht passieren, den Seljalandsfoss zu übersehen. Von der Straße aus gesehen liegt er nur wenige Meter außerhalb des Sichtbereiches. Natürlich ist es unmöglich, alle Wasserfälle Islands während nur einer Rundreise zu erkunden, aber dieser eine erlaubt es, ihn einigermaßen trocken zu hinterwandern. Das ist schon ein komische Gefühl und sollte definitiv mal ausprobiert werden. Unsere abendliche Ankunft in der nächst größeren Stadt Selfoss sollte noch eine unerwartete Überraschung bieten. Die täglichen Gespräche mit Airline und Flughafen haben endlich erreicht, dass unsere Koffer zum Hotel nachgeliefert wurden. Unglaublich! Nach 6 Tagen waren wir mit so viel Kleidung und Reisezubehör völlig überfordert und überrascht, wie genügsam man in solch kurzer Zeit werden kann. Wir freuten uns schon jetzt, am nächsten Tag viel Zeit gespart zu haben und ließen den Abend in aller Ruhe ausklingen.

 

Tag 7:
3 Sehenswürdigkeiten lagen vor uns. Die Tour des Golden Circle umfasste den Gullfoss Wasserfall, die Geysire sowie den Thingvellir Nationalpark. Begonnen haben wir direkt beim Gullfoss. Es bot sich ein in schon Vergessenheit geratenes Erscheinungsbild: Menschenmassen! Was war hier los? Reisebusse entluden ganze Heerscharen von Besuchern, die offensichtlich das gleiche vor hatten wie wir! Unverschämtheit . Sicherlich hat es damit zu tun, dass solche Reisebusausflüge vermehrt für die Tagesausflügler angeboten werden. Die Nähe zur Zivilisation war wieder hergestellt. Trampelpfade waren auf einmal befestigt und Leinen „sicherten“ gegen unfreiwilliges Herunterstürzen. Das war bei dem ganzen Gedränge vielleicht auch besser so. Wenigstens verteilte sich die Besucherzahl auf dem großen Gelände wieder. Der Blick auf die über mehrere Stufen hinabgleitenden Wassermassen war imposant. Es war gar nicht so einfach, eine Perspektive zu finden, die keine Menschen zeigte. Das wollte ich unbedingt vermeiden. Ob die Kamerapositionen näher dran am Geschehen auch tatsächlich für Besucher gedacht waren, weiß ich nicht. Sie wären manch einem sicher zu nass gewesen, und die Schilder mit dem Totenkopf drauf hätte man auch bitte einmal in die deutsche Sprache übersetzen können . Das bis heute noch diese Landschaft erhalten blieb, ist gar nicht selbstverständlich. Über die letzten Jahrzehnte hat es von verschiedenen Seiten aus mehrfache Versuche zur Stromgewinnung im 4-stelligen Gigawatt-Bereich gegeben. Allerdings gehört aufgrund des Einsatzes von Sigríður Tómasdóttir im Jahre 1920 der Wasserfall wieder dem isländischen Staat und steht seit 1979 unter Naturschutz.

 

Das mitunter bekannteste Wahrzeichen Islands sind sicher die Geysire. Der Strokkur ist der aktivste und zeigt alle 3 – 5 Minuten eine kochende Wassersäule von bis zu 35 Meter. Bei aller Neugier sollte man mit viel Respekt einen gesunden Abstand von diesem Schauspiel halten. Neben den anderen Heißwasserquellen gibt es auch noch den Stóri Geysir { Großer Geysir }. Er ist allerdings nur noch gelegentlich tätig. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt das Geysircenter. Neben dem hochmodernen Restaurantgebäude bietet der Souvenirshop ausnahmsweise auch weniger kitschige Mitbringsel für

 

Der Thingvellir Nationalpark ist so riesig, dass wir uns spontan von etwas Sehenswertem überzeugen lassen wollten. Dazu sind lokale Geschäfte mit ausliegenden Postkarten sets sehr gut geeignet. Es hat zwar etwas gedauert, aber schließlich fanden wir entlang einer Querstraße einen Parkplatz, der an mehrere Wege angeschlossen war. Ein paar Gehminuten entlang der fest abgesteckten Laufrouten hörten wir ein lauter werdendes Wasserrauschen. Ja, das gefiel uns. Die komplette Erkundungsreise stand ohnehin ganz im Stern des fließenden Nass. Also musste schließlich nur noch ein Weg dorthin gefunden werden. Die Suche verlief erfolgreich und offenbarte uns den bis dahin unbekannten Öxarárfoss. Wie schon einen Tag zuvor, freute ich mich endlich wieder, von meinem Stativ Gebrauch machen zu können. Nach ein paar Schritten zum Uferrand hin, konnte ich endlich mit anderen Perspektiven arbeiten. Das habe ich vermisst! Da wir noch einen schönen Abend in Reykjavík geplant hatten, machten wir uns am späten Nachmittag auf den Weg zurück, Richtung Hauptstadt. Nach kurzen Parkplatzsorgen fanden wir schließlich unser Hotel und nutzten die Gelegenheit, zu Fuß ein schönes Restaurant im Stadtkern ausfindig zu machen. Nach einem kleinen Spaziergang beschlossen wir, in der Skybar unseres Hotels noch ein wenig die Aussicht zu genießen.

 

Tag 8:
Der letzte Tag ist auch zugleich der erste, den wir anders hätten gestalten können. Die eingangs erwähnte Walbeobachtung fand direkt vom Hafen aus statt. Vielleicht lag es auch an meinen übertriebenen Postkartenerwartungen, aber die Bootsfahrt zeigte, bis auf kurz aufblitzende Wal Fluken, bei mir eher Symptome einer leichten Übelkeit. Um das Geld geht es gar nicht, aber während des Vormittages hätte man wie gesagt Besseres anstellen können. Vielleicht sollte man die Tiere auch so gut es geht in Ruhe lassen. Mit festem Boden unter den Füßen ging es direkt zur sprichwörtlich heiß ersehnten Bláa Lonið { Blaue Lagune }. Die Lavasenke ist mit zwei Dritteln Salzwasser und einem Drittel Süßwasser gefüllt. Dem einzigartigen Ökosystem werden heilende Kräfte nachgewiesen. Der Kontrast zwischen der eiskalten Luft und dem 37°C – 40°C heißen Wasser war sehr intensiv! Es gibt verschiedene Temperaturzonen, die je nach körperlichem Befinden frei angeschwommen werden können. Der dichte Nebel oberhalb der Wasseroberfläche erzeugt ein märchenhaftes Ambiente. Über den Schwimmbereich hinaus bietet die Anlage neben Dampfbädern, einer Lavahöhle auch einen Massagewasserfall sowie Saunabereich. Die modernen Dusch- und Umkleideräume werden voll elektronisch über das persönliche Armband gesteuert. Mein persönliches Highlight war auf jeden Fall die Bar. Vom Cocktail über die Gesichtsmaske bis hin zum Eis am Stiel konnte man sein Wohlbefinden an eine Grenze bringen, die schon kaum mehr zu ertragen war . Die Entscheidung, das Entspannungsprogramm am Ende dieser Reise zu planen, war genau richtig. Jetzt konnte man stundenlang in Erinnerungen schwelgen und einmal vollständig zur Ruhe kommen. Schade, dass es am gleichen Abend schon zurück nach Hause ging. Schweren Herzens fuhren wir Richtung Flughafen. Über einen geplanten Umweg erreichten wir noch eine eher symbolische Sehenswürdigkeit. Die Bridge Between Continents. Sie überbrückt die Verwerfung zwischen der eurasischen und nordamerikanische Kontinentalplatte. Mit einer Geschwindigkeit von über 2 cm im Jahr entfernen sich diese beiden Landmassen voneinander. Dieser dabei entstandene Graben zieht sich an vielen Stellen gut sichtbar quer durch das ganze Land. Es fing an zu regnen und durch den Weg bis hin zur Mietwagenrückgabe sprang der Kilometerzähler auf die 2004er Marke. Nach dem Check-In ließ sich die Wartezeit bis zum Rückflug mit einem Mitternachtssnack überbrücken. Der letzte wehmütige Schritt in den Flieger um 00:45 Uhr beendete diese traumhafte Reise. Ab jetzt erinnerte neben den vielen Foto- und Videoaufnahmen zumindest noch eine kleine Zeit lang der angenehm mineralische Duft unserer Haut.

  • Reykjavik
  • Akureyri
  • Goðafoss Wasserfall
  • Mývatn See
  • Húsavík
  • Ásbyrgi Schlucht
  • Hverarönd
  • Selfoss { Wasserfall }
  • Dettifoss { Wasserfall }
  • Austfirðir { Ostjforde }
  • Höfn
  • Jökulsárlón { Gletscherlagune }
  • Svartifoss { Basaltwasserfall }
  • Kirkjubæjarklaustur
  • Mýrdalssandur { Sandwüste }
  • Vík
  • Reynisdrangar { Basaltfelsen }
  • Skógafoss { Wasserfall }
  • Seljalandsfoss { Wasserfall }
  • Selfoss
  • Gullfoss { Wasserfall }
  • Geysire
  • Vík
  • Þingvellir { Nationalpark }
  • Öxarárfoss { Wasserfall }
  • Bláa Lónið { Blaue Lagune }
  • Bridge Between Continents